Unser letzter Tag in Schottland sollte kein reiner „Fahrt-zum-Fughafen“-Tag werden. Deshalb haben wir einen Spätnachmittagflug nach Frankfurt gebucht und uns für den Vormittag noch einen Programmpunkt vorgenommen: Ein Besuch auf der 83. königlichen Yacht, ein Besuch auf der Britannia.

Der Rundgang über die Decks der Britannia beginnt im Ocean-Terminal von Edinburgh

 

Wer gleich früh morgens dort eintrifft, hat die Gänge des Schiffes noch weitestgehend für sich alleine. Das lohnt sich, denn man darf auf dem königlichen Kreuzfahrtdampfer uneingeschränkt fotografieren.

Der Drawing Room, das Wohnzimmer der königlichen Familie

 

Die Britannia ist das bis auf weiteres letzte königliche Schiff der englischen Troninhaberin. Es war in den Jahren 1954 bis 1997 im Dienst für ihre Majestät und schipperte sie und ihre Familie zu allen möglichen Zielen und Anlässen rund um die Welt.

Flatrate

 

Der Grund für ihre Stilllegung und der Grund, warum es seitdem keine neue königliche Yacht gab, waren ihre Betriebskosten. Satte 30 Millionen Euro kostete das Schiff den Steuerzahler jährlich. Ja, den Steuerzahler, denn die gekrönten Häupter lehnten es ab, sich an diesen Kosten zu beteiligen.

Das private Deck der königlichen Familie, dahinter die Veranda

 

Wer über die Decks der Britannia schlendert, bekommt schnell ein Gefühl davon, wohin diese 30 Millionen jährlich gingen. Die Britannia ist in allen Bereichen auf Komfort und königliche Vornehmheit ausgelegt. Sie wurde gebaut, um zu repräsentieren. Man lasse sich nur mal folgendes auf der Zunge zergehen: Für jeden Staatsbesuch mit diesem Schiff gingen 5 Tonnen Gepäck zusammen mit der Queen und 40 ihrer engeren Bediensteten an Bord. Mit dabei war ein spezielles Mineralwasser, um die gewohnte Qualität des königlichen Tees zu gewährleisten.

Wer schon immer mal einen Blick in das Schlafzimmer der Queen werfen wollte: Auf der Britannia ist das möglich

 

Diese und viele andere Anekdoten erfährt man, wenn man den Audioguide einschaltet, der die Besucher über viele Dutzend Stationen auf mehreren Schiffsdecks begleitet. Es war einer der besten Guides unseres Urlaubs. Zwar ist er (in deutsch) recht monoton gesprochen, er reichert die reinen Fakten des Schiffes jedoch ständig mit kleinen Geschichten an, die wirklich spannend sind.

Wichtiges Detail, nachträglich eingebaut: Rockhebeschutz für die winkende Queen bei windigem Wetter

 

Der Besuch der Britannia ist ein Eintauchen in eine andere Welt. Eine Welt der Monarchen und des königlichen Adels. Für Menschen wie mich, die eher selten die „Gala“ lesen, war der Besuch extrem faszinierend.

Der Maschinenraum der Britannia

 

Ich würde die 2-3-stündige Schiffstour jedem Edinburgh-Besucher empfehlen. Schließlich hat vermutlich kaum jemand schon einmal einen Rolls Royce in einer Glasgarage auf einem Schiff gesehen. Und wer weiß, vielleicht haben andere ja auch so viel Glück mit dem Wetter und die Yacht präsentiert sich vor einem königlich blauen Himmel.

Huch! Eine Edelkarosse ist mit an Bord, inklusive gläserner Garage

 

Man erreicht die Britannia übrigens am besten per Bus. Wir fuhren mit der Linie 22 ab der Busstation Waverley dorthin. Die etwa 20-minütige Fahrt ist für sich schon eine Attraktion. Wer Glück hat, kann in einem der Doppeldeckerbusse vorne sitzen und die vielen kleinen Geschäftsfassaden bewundern auf dem Weg zum Terminal, an dem die Britannia ankert. Meiner Meinung nach sind die 20 Minuten Fahrt schöner als zwei Stunden Wanderung entlang der Royal Mile.

Unbedingt empfehlenswert: Mit dem Bus zum Hafen

 

Weitere Bilder:

Im Fall von kriegerischen Auseinandersetzungen wäre die Britannia innerhalb von 24 Stunden zum Sanitätsschiff umfunktioniert worden

 

Hinten steuern, vorne repräsentieren: Das Beiboot der Britannia

 

Die Brücke der Royal Yacht Britannia

 

Die Servietten des Führungspersonals hatten ihre festgelegten Plätze

 

Die Mannschaft hatte es weitaus weniger komfortabel

 

Glocke der Royal Yacht Britannia

 

Blick vom obersten Deck der Britannia

 

Notoperation am Plüsch-Wombat

 

Blick in die Servierküche der Britannia

 

Goldleisten und Wappen: Das königliche Beiboot

 

Wir hatten ziemliches Glück mit dem Wetter

 

Die Tafel ist gedeckt im Dining Room der Britannia

 

Die königliche Veranda der Britannia

 

All aboard!

 

Das Wappen der Royal Yacht Britannia